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Verlaufsumsetzung

Kürzlich wurde ich in einem Kommentar gefragt, was denn überhaupt Verlaufsumsetzungen sind, wie man sie anwendet, sowie was die Vor- und Nachteile sind.

In diesem Artikel möchte ich euch daher kurz die technischen Details einer Verlaufsumsetzung erklären und einen kurzen Überblick über meine Gedanken zur Anwendung geben.

Erst einmal kurz dazu, was eine Verlaufsumsetzung überhaupt ist: Bei der Verlaufsumsetzung (Verlaufsumsetzung) handelt es sich um eine Korrekturebene in Photoshop, mit welcher man Tonwerten anhand ihrer Luminanz eine neue Farbe zuweisen kann. Wichtig ist, dass man die Verlaufsumsetzung nicht mit der Verlaufsfüllung verwechselt, die einfach nur einen Verlauf über das Bild legt.
Der wohl häufigste Anwendungszweck, den man im Internet zu dem Thema liest ist die Umsetzung eines Bildes in Schwarzweiß. Hierbei wird einfach eine neue Einstellungsebene vom Typ „Verlaufsumsetzung“ angelegt und mit den Standardeinstellungen (Verlauf von Schwarz nach Weiß, 100% Glättung) ein recht knackiges Schwarzweiß-Bild erzeugt.
Das ist noch lange nicht alles, was die Verlaufsumsetzung beherrscht, bringt uns aber direkt zu einem interessanten Aspekt: Wieso kann man bei einer Einstellungsebene eine Glättung einstellen? Normalerweise denkt man bei Glättung ja an einen Filter, der benachbarte Pixel der aktuellen Ebene in seine Berechnungen mit einbezieht und diese sind in Photoshop aus Gründen der Performance (noch?) nicht als Einstellungsebenen verfügbar.
Bei der Verlaufsumsetzung hingegen handelt es sich nicht um einen Glättungsfilter, der auf die Pixel der darunterliegenden Ebenen angewandt wird, sondern um eine Vergrößerung des Übergangsbereichs zwischen zwei Farben – interessanterweise wird hierbei allerdings der Übergangsbereich kleiner, je höher man die Glättung einstellt. Der Effekt entspricht hierbei mehr oder weniger einer Erhöhung des Kontrastes mit einer Tonwertkorrektur, was auch das knackige Aussehen der Schwarzweißbilder erklärt.
Um die Glättung noch ein wenig genauer zu begutachten, können wir noch einen weiteren Test unternehmen. Als erstes erstellen wir ein neues Bild mit einer Breite von 512px und einer Höhe von 200px.
In der oberen Hälfte erstellen wir jetzt einen Verlauf von Schwarz nach Weiß mit 100% Glättung, in der unteren einen mit 0% Glättung (der Verlauf und die Verlaufsumsetzung haben glücklicherweise fast identische Einstellungsmöglichkeiten, nur die Transparenz funktioniert bei der Verlaufsumsetzung nicht).
Als nächstes erstellen wir eine weitere Einstellungsebene, diesmal vom Typ Tontrennung und wählen hier einen Wert von 16 Tonwerten aus. Wie man sofort erkennen kann, werden in dem Verlauf mit 100% Glättung von den Seiten in die Mitte herein die Kästchen immer schmaler, wohingegen sie beim Verlauf mit 0% Glättung einheitlich bleiben.
Glättung
(wenn ihr auf das Bild klickt, könnt ihr euch die entsprechende PSD-Datei herunterladen, um mein Ergebnis selbst nachzuvollziehen)

Nun da wir wissen, wie die Verlaufsumsetzung funktioniert und worauf man ggf. achten sollte, stellt sich natürlich die Frage, wofür man sie einsetzen kann.
Mein persönlicher Einsatzbereich ist hierbei die Korrektur von Hauttönen, wie ich es auch in meinem Weihnachts-Giveaway gemacht habe.
Hierzu erstellt man sich zuerst eine Einstellungsebene vom Typ „Verlaufsumsetzung“, wählt dann eine ausreichende Menge (in der Regel wähle ich mindestens 3) an guten Hautfarben aus (dunkel, mittel und hell) und maskiert die Ebene im Modus „Farbe“ und mit sehr geringer Deckkraft (maximal 30%) ein. Hierdurch lassen sich Sättigungs- und Farbtonunterschiede sehr schnell und einfach ausgleichen, gleichzeitig hat man aber ein etwas geringeres Risiko, einen zu einheitlichen Hautton zu erreichen, als beim Anwenden einer einheitlichen Farbebene.

Allerdings hat die Technik auch gerade hierdurch ihre Gefahren und Nachteile.
Denn auch wenn es im ersten Moment durchaus praktisch erscheinen mag, Variation in der Hautfarbe zu haben, so sollte man doch bedenken, dass die Variation in der Hautfarbe eines Menschen nur zu geringen Teilen der Helligkeit geschuldet ist. Stattdessen wird die Hautfarbe außerdem noch durch die verschiedenen unter der Haut verlaufenden Adern, den Sauerstoffgehalt des Blutes und vieles weiteres beeinflusst.
Menschlicher Kopf
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Lateral_head_anatomy_detail.jpg

Außerdem kann eine zu geringe Auswahl an Farben auf einer zu großen Fläche zu Banding, also Tonwertabrissen führen. Ebenfalls können zu viele Farben auf einer zu kleinen Fläche dazu führen, dass die Variation zu stark wird und es zu Posterisierungseffekten kommt.

Wenn man diese Dinge allerdings im Hinterkopf behält, die Verlaufsumsetzungen nur selektiv und mit verringerter Deckkraft anwendet und extreme Verfärbungen bei Bedarf eher mit Anpassungen der alten Farbwerte, z.B. über Gradationskurven, als über die vollständige Ersetzung der Farbwerte mittels Verlaufsumsetzung durchführt, kann man die Technik allerdings in meinen Augen sehr erfolgreich anwenden.

Da der Artikel mittlerweile schon recht lang geworden ist, mache ich hier mal Schluss. Morgen gibt es dann noch eine kleine Ergänzung, in der ich euch einige Tipps & Tricks, sowie weitere – etwas exotischere – Anwendungszwecke für die Verlaufsumsetzung zeige ;).

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Kategorien:Retusche, Tutorials
  1. 17. März 2013 um 18:55

    Wie immer sehr aufschlußreich. Vielen Dank! Bin gespannt auf die Fortsetzung

  2. Timo
    18. Mai 2013 um 06:43

    ja wirklich: top
    danke

  1. 18. März 2013 um 15:11

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