Lineare Komposition

Nachdem es eine Zeit lang eher still hier im Blog gewesen ist, möchte ich heute mal wieder ein Thema vorstellen, dass vielleicht eine größere Menge an Leuten anspricht :-).
Dieses mal geht es nämlich um Freistellung und Montagen, genauer gesagt eine spezielle Montagetechnik, mit der ihr eure freigestellten Objekte besser in die neuen Hintergründe integrieren könnt.

Ihr kennt sicherlich den alten Trick, wenn man einen weißen Hintergrund hat und einfach einen neuen im Modus „Multiplizieren“ überlagert?
Das ist sicherlich eine gute Methode, etwas besser wird das Ergebnis aber meist, wenn man statt „Multiplizieren“ den Modus „Linear nachbelichten“ benutzt, denn so kommen oftmals noch ein paar mehr Haare zum Vorschein.
Ähnlich verhält es sich bei dunklen Hintergründen und dem Modus „Negativ multiplizieren“. Hier bringt „Linear abwedeln“ häufig bessere Ergebnisse.
Was macht man allerdings bei Hintergründen, die teilweise heller, teilweise dunkler und dabei dann unter Umständen auch noch farbig sind? Genau das möchte ich euch heute zeigen :-)!

Als Ausgangsbild dient uns dieses mal dieses Bild von Tony Ball Photography: Original
Wie ihr sehen könnt, haben wir hier alles, was man sich für einen Kompositionsalptraum nur wünschen kann: einen farbigen Verlauf im Hintergrund, unscharfe Bereiche und feine Details (Haare).
Dank Photoshop CS5 sollte die Freistellung hier kein großes Problem darstellen. Wir benutzen einfach das Schnellauswahlwerkzeug auf den Hintergrund (dieser hat weniger Details, als das Modell, deswegen wenden wir es hier direkt an) und benutzen die verbesserte „Kante verbessern“-Funktion.

Ersetzen wir nun mit dieser Maske den Hintergrund durch einen einfachen Schwarzweiß-Verlauf, sehen wir direkt, dass das Ergebnis noch stark verbesserungswürdig ist:
Normal
Die unscharfen Bereiche sind noch stark verpixelt, wir verlieren einige der Haardetails und an der linken Seite der Haare ist ein heller Lichtsaum.

Das wollen wir nun beheben.
Wir setzen hierfür eine Technik ein, bei der wir explizit darauf angewiesen sind, dass Tonwerte abgeschnitten werden!
Die Formel, welche wir einsetzen werden, sieht so aus:
Formel

Im Detail bedeutet das, dass unser Ergebnis zusammengesetzt wird aus dem Original in Kombination mit der maskierten Differenz des alten minus des neuen Hintergrundes und des neuen minus des alten Hintergrundes, wobei jeweils zwischendurch einige Tonwerte abgeschnitten werden, da wir nur im Bereich von 0-255 arbeiten und die Schritte zusammengefasst werden.
Wenn wir daher also den neuen Hintergrund von unserem alten subtrahieren und das wiederum auf unser Originalbild addieren, können wir so einfach alle Bereiche, die dunkler sind, als unser alter Hintergrund, ersetzen.
Als nächstes subtrahieren wir den alten Hintergrund vom neuen und subtrahieren dieses Gesamtergebnis wiederum vom letzten Schritt. Hierdurch ersetzen wir alle Bereiche, die im alten Hintergrund heller sind, als im neuen.

Die Frage, die sich jetzt stellt ist daher: Wie kommen wir an den alten Hintergrund, schließlich steht doch da ein Modell vor!
Kein Problem! Für den Fall können wir einfach den guten alten Stempel nehmen, um die Konturen unseres Modells zu überstempeln und somit eine einigermaßen gute Rekonstruktion des alten Hintergrundes zu erhalten.

Alter Hintergrund

Da meine Übergänge noch ein wenig unschön sind (ich habe sehr unsauber gearbeitet, um zu zeigen, dass die Technik auch ohne große Genauigkeit einiges besser funktioniert, als die normale Überlagerung – böse Zungen könnten auch sagen, ich wäre einfach nur faul ;-)), habe ich mich entschlossen, noch einmal den Gaußschen Weichzeichner mit einem Radius von etwa 10px auf die Konturen anzuwenden. Also erst einmal die Transparenz der Ebene fixieren, den Bereich grob mit dem Lasso auswählen und den Gaußschen Weichzeichner anwenden.

Gaußscher Weichzeichner

Als nächstes stecken wir diese Hintergrundebene über dem neuen Hintergrund in einen Ordner und stellen den Ebenenmodus auf „Linear nachbelichten“. Über eine Umkehren-Ebene mit Schnittmaske kehren wir den Inhalt der Ebene um und erstellen damit den Modus „Subtrahieren“. Die Gruppe der beiden Ebenen stellen wir nun in den Modus „Linear abwedeln“.

Linear abwedeln

Als nächstes kopieren wir den alten Hintergrund noch einmal in eine neue Gruppe und platzieren den neuen Hintergrund im Modus „Linear nachbelichten“ mit angehängter Umkehren-Ebene darüber.
Da wir die gesamte Gruppe als Subtrahend einsetzen wollen, müssen wir den gesamten Gruppeninhalt noch einmal invertieren und den Gruppenmodus auf „Linear nachbelichten“ stellen.

Linear nachbelichten

Fertig :-).

Ergebnis

Wie man direkt sehen kann ist das Ergebnis einiges besser, als vorher. Es gibt keine hellen Säume mehr am Haarrand links, die unscharfen Bereiche sind gut abgebildet und auch die feinen Haardetails sind gut transportiert worden :-).
Teilweise sind noch leichte Strukturreste des alten Hintergrundes vorhanden, wo wir diesen nicht 1:1 übernommen haben (z.B. links unten an der Schulter), aber in einer „richtigen“ Montage sollte so etwas kaum noch auffallen.

Natürlich habe ich für die ganze Prozedur auch wieder eine Aktion angelegt, die ihr benutzen könnt, um den Vorgang zu automatisieren :-).
Die Aktion benötigt als Ausgangsmaterial die Ebenen „Neuer Hintergrund“, „Alter Hintergrund“, sowie den Alpha-Kanal „Freistellung“.
Wichtig: Keine der Ebenen darf eine Füllebene sein!
Hier könnt ihr euch die Aktion herunterladen: Linear Komposition.atn (bei Problemen: Rechtsklick, „Speichern unter“)
Und hier noch die PSD-Datei zum Mitarbeiten: Lineare Komposition.psd

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  1. 26. Februar 2012 um 09:05

    Hallo Jonas,
    The link on YouTube doesn´t work.
    Harm

    • 26. Februar 2012 um 10:28

      Hallo Harm,

      vielen Dank, das hatte ich gar nicht bemerkt!

      LG,
      Jonas

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