Sehverhalten

Einer der wohl wichtigsten Aspekte in der Fotografie, aber auch in der Bildbearbeitung ist, wie unser menschliches Sehverhalten funktioniert und wie man es entsprechend manipulieren kann.
Hier mal einige meiner Beobachtungen und bekannte Effekte zusammengefasst.

– tiefe Frequenzen sind für uns wichtiger, als hohe Frequenzen (deswegen werden hohe Frequenzen in JPEG-Bildern zuerst entfernt)
– wir erkennen mehr Details in Schatten, als in Lichtern (deswegen die TRC von Gamma 2.2)
– Mischlichtsituationen, Weißabgleich und Kontraste werden von unserem Gehirn automatisch korrigiert (hier hilft: Jacob’s Ladder)
– Farbvariation ist in der Erinnerung oft stärker, als auf dem Foto (hier hilft: Mann vom Mars)
– schwach gesättigte Bereiche werden als dunkler wahrgenommen, als stark gesättigte (Helmholtz-Kohlrausch-Effekt)
– kalte Farben erscheinen uns dunkler, warme Farben heller (hier helfen: kombinierte Farbmasken)
– zum Rand unseres Wahrnehmungsbereichs hin erscheinen uns Farben schwächer gesättigt, werden dunkler und wir erkennen weniger Details (gelber Fleck)
– hellere Bereiche erscheinen uns stärker gesättigt (Hunt Effekt)
– mit zunehmender Gesamthelligkeit steigt auch der wahrgenommene Kontrast (Stevens Effekt)
– der Kontrast eines Objekts steigt durch eine hellere Umgebung, eine dunklere Umgebung verstärkt alle Farben (Bartleson-Breneman Effekt)
– unser Auge wird gelenkt durch (in abnehmender Priorität): Kontrast, Helligkeit, Details, Sättigung, Komposition
– Farben wirken stärker gesättigt, wenn sie von schwach gesättigten Farben umgeben sind (Qualitätskontrast)
– tiefe Schatten im Bild sind komplementär zur Lichtfarbe (Helson-Judd-Effect)
– die menschliche Wahrnehmung hat einen höheren Dynamikumfang, als den einer handelsüblichen Kamera (hier hilft: HDR, resp. Tonemapping)
– warme und helle Bildbereiche erscheinen näher, kalte und dunkle Bildbereiche weiter weg vom Betrachter zu liegen

Was soll man daraus machen? Das ist alleine euch überlassen :-).
Ihr könnt versuchen, mit diesen Methoden den Blick eines Betrachters zu lenken, ihr könnt aber auch „einfach“ versuchen, ein Bild aus der Kamera so aussehen zu lassen, wie ihr es gesehen habt.

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