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Kanalansicht

Heute möchte ich euch mal kein Tutorial vorstellen, sondern etwas zeigen, was bei mir normalerweise direkt im Kopf geschieht – eine Zusammenstellung einiger möglicher Kanäle eines Bildes.
Wozu braucht man das? Ganz einfach: Für Auswahlen, Farbkorrekturen und Helligkeitskorrekturen, kurz gesagt, für den ganz normalen Photoshop-Alltag.
Natürlich kann man auch jedes Mal neu die Kanäle einzeln untersuchen, aber wenn man bereits eine ungefähre Vorstellung im Kopf hat, erspart das doch eine Menge Zeit :-).

Das besondere bei meiner Kanalansicht ist jetzt allerdings, dass wir nicht mit den „normalen“ Kanälen arbeiten (aus dem RGB-Original und einer nach CMYK/LAB konvertierten Kopie), sondern aus generischen Kanälen, also solchen, welche ich innerhalb von RGB mittels einiger Tricks erstellen kann (bspw. meine Farbteilung) + den Farbton aus einer HSB-Konvertierung (mir fehlte noch ein interessanter Kanal ;-)).

Sehen wir uns nun also einmal folgende Kanalliste an:
Kanalliste

Sämtliche Kanäle sind direkt beschriftet, damit man leicht erkennen kann, welcher Kanal wo abgebildet ist.
Wie kann man jetzt von dem Originalbild ausgehend diese Kanäle im Kopf herleiten?
Wenn man sich ein wenig mit Farbtheorie auskennt, ist das eigentlich relativ einfach :-).

Der Rotkanal des Bildes zeigt helle Stellen, wo das Bild sehr viel rot aufweist, dunkle Stellen, wo wenig rot ist. Da wir uns in RGB befinden, sind auch insgesamt helle Stellen im Rotkanal hell und insgesamt dunkle Stellen im Rotkanal dunkel, denn Neutralität in RGB bedeutet R=G=B. Somit können wir schnell die RGB-Kanäle visualisieren.
Da die Farben teilweise gemischt werden, müssen wir außerdem überlegen, aus welchen Farben die Mischfarben zusammengesetzt werden. Ein Gelb ist z.B. eine Mischung aus Rot und Grün, daher erwarten wir dort helle Bereiche, im Blaukanal dunkle.

Als nächstes folgt eine Reihe, die ebenfalls recht intuitiv sein dürfte.
Links sehen wir die Chromatizität. Diese können wir im Bild daran ableiten, wie stark gesättigt eine Farbe ist, höhere Sättigung bedeutet hellere Stellen im Chromatizität-Kanal.
Daneben sind die Chroma-Farbkanäle (aus der Farbseparation), diese können wir einfach visualisieren, indem wir uns rein auf die Farbe fixieren.
Ist ein Objekt (dunkel) rot, wird es im (Chroma) Rotkanal hell sein (denn die Helligkeit ist hier unwichtig), ist es cyan, wird es im (Chroma) Rotkanal dunkel sein, ist es neutral, haben wir eine 50%ige Helligkeit.

Jetzt folgen die CMYK-Kanäle, die eigentlich auch recht intuitiv sind, wenn man erst einmal das System verstanden hat.
Der Schwarzkanal ganz rechts ist das entscheidende hierbei. In ihm sind die minimalen RGB-Werte, also die dunkelsten Bildbereiche gespeichert.
Die Farbkanäle sind die normalen RGB-Kanäle ohne diesen Schwarzkanal, also ohne die dunkelsten Bereiche.

In der letzten Reihe sehen wir nun zuerst einmal den Y-Kanal. Dieser ist nichts anderes, als der Luminanzkanal, entsprechend können wir uns einfach nur die Helligkeitsinformationen unseres Bildes vorstellen und erhalten diesen Kanal.
Daneben ist der Cb-Kanal. Dieser enthält die Farbinformationen Blau-Gelb, wobei blaue Bildbereiche hell und gelbe dunkel sind. Man kann ihn sich wie einen invertierten (Chroma) Blaukanal vorstellen. Der Cr-Kanal entspricht der Rot-Cyan-Achse und kann somit wie der (Chroma) Rotkanal vorgestellt werden.

Als letztes in der Reihe sehen wir dann noch den Farbton-Kanal. Der sieht am Anfang recht schwierig aus, ist aber eigentlich auch relativ einfach visualisierbar. Wir wissen, dass in Photoshop der Farbton 0° einem Rot entspricht (Achtung: in anderen Anwendung kann diese Zuweisung anders sein!), also sind rote Bereiche hell. Rot kann aber auch einen Farbton von 360° haben, da es sich bei dem Farbton um einen Kreis handelt, entsprechend ist Rot entweder weiß oder schwarz.
Davon abgesehen sind die Farben aber zum Glück leicht zu differenzieren.
Gehen wir von 0° (schwarz) aus immer weiter in Richtung der 360° (weiß), durchlaufen wir nacheinander die folgenden Farbtöne: Rot, Gelb, Grün, Cyan, Blau, Magenta, Rot. Entsprechend heller wird auch der Kanal.

Das Problem ist mir übrigens bewusst geworden, als ich den Artikel über Jacob’s Ladder geschrieben habe. Mir ist in der Regel schon vorher bewusst, welchen Kanal ich einsetzen werde, daher habe ich meine Aktion auch so aufgezeichnet, dass sie mir die freie Wahl lässt und nicht einfach sämtliche typischen Kanäle abklappert.
Anderen könnte die Wahl schwerer fallen, ich hoffe, dass diese Leute mit Hilfe dieses Artikels und ein wenig Übung ebenfalls bald weniger Probleme bei der Wahl des richtigen Kanals für ein bestimmtes Problem haben werden – sei es nun bei der Leiter, bei Freistellungen oder bei anderen Aufgaben.

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Kategorien:Farbmodi, Maskierung
  1. alexklotz
    6. Januar 2012 um 12:19

    Hallo, wie immer sehr fundiert und logisch. Und trotzdem habe ich das Gefühl, dass es Leute gibt , die von der Natur aus „Photoshop“-Denker sind und entsprechend in diesen Kategorien sehen, und die anderen.., die es gesagt bekommen müssen (lebenslang?). Gruß.

    • 6. Januar 2012 um 13:20

      Hallo Alex,

      meiner Erfahrung nach gibt es sehr wenige Leute, die wirklich von Beginn an derartig denken (können), sondern es braucht in aller Regel einiges an Erfahrung und Übung.
      Daher benutze ich solche Bilder ja auch so gerne als temporären Desktophintergrund; damit verinnerlicht man während des gewohnten Arbeitens noch ganz nebenbei die Kanalstruktur.
      Meine Tabelle ist allerdings noch stark vereinfacht gegenüber anderen Tabellen, die ich bereits gesehen habe ;-). In dem Buch „Professional Photoshop 5“ von Dan Margulis wird das selbe noch einmal als Quiz abgefragt.
      Meiner Meinung nach ist es allerdings nicht unbedingt notwendig, die einzelnen Kanäle identifizieren zu können und daraus das Gesamtbild abzuleiten, sondern eher aus dem Gesamtbild die Kanäle erahnen zu können, was i.d.R. ausreichend für ein flüssiges Arbeiten ist.
      Wer mehr will, kann natürlich auch versuchen, von einer beliebigen Datei nur einige Kanäle anzuschauen (ohne Gesamtbild) und daraus versuchen abzuleiten, welcher Kanal jeweils betrachtet wird und wie wiederum das Gesamtbild aussehen müsste (ich würde dazu auch bei Bedarf Bilder bereitstellen, damit sichergestellt ist, dass niemand das Ausgangsbild vorher kennt).
      Wie gesagt, in meinen Augen ist das nicht nötig, für manche kann es aber eine weitere Hilfe sein und eine gute Übung ist es allemal :-).

      LG,
      Jonas

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