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Warnung vor der Schwarzweiß-Ebene

Heute möchte ich euch mal keine neue Technik zeigen, sondern ich möchte euch vor einem Werkzeug warnen, welches es bereits seit Photoshop CS3 gibt.
Warum ich das erst jetzt mache? Ganz einfach, ich hatte vorher nicht gedacht, dass es Bedarf dafür gibt, hierzu aber später mehr.

— Wer keinen Spaß an Mathe hat, kann diesen Teil überspringen —

Zuerst einmal wollen wir uns anschauen, wie die Schwarzweißebene eigentlich arbeitet:
Formel Schwarzweiß
Die Formel habe ich übrigens von Michael Chamberlain, dessen Homepage ich leider allerdings nicht wiederfinden konnte.

Die „v“s stehen nacheinander für die einzelnen Regler: Rot, Gelb, Grün, Cyan, Blau, Magenta.

Nun wollen wir die Formel ein wenig vereinfachen, indem wir bekannte Stücke suchen und zusammenfassen:
Hue
b
s

Diese Formeln werden benutzt, um von RGB nach HSB zu konvertieren. Wir können die entsprechenden Teilstücke in der Formel nun durch diese Variablen ersetzen und erhalten:
Neue Formel
Was man hieran schnell sehen kann ist, dass der Farbton (h) nicht in die eigentliche Berechnung eingeht, sondern nur bestimmt, welche Regler bewegt wurden.
Jeder Regler hat hierbei einen Einflussbereich von 120°, da sie jeweils um 60° verschiedene Farbtöne darstellen und einen linearen Abfall zum nächsten Farbton von 60° haben.
Das können wir ebenfalls mit einer neuen Variable darstellen:
d
Dadurch vereinfacht sich die Formel weiter zu:
vereinfachte Formel
Hieraus können wir etwas weiteres interessantes sehen, wenn wir uns die standardmäßige Entsättigungsformel vor Augen führen:
Entsättigen
Genau das können wir auch problemlos mittels der Schwarzweißebene erzielen, indem wir die neuen Startwerte eingeben:
Entsättigen Startwerte

Was zeigt uns das alles?
Erstens zeigt es uns, dass es sich bei der Schwarzweißebene eigentlich nur um eine einfache Entsättigung mit anschließender Aufhellung oder Abdunklung basierend auf dem Farbton handelt. Damit wird etwa 2/3 der Informationen im Bild einfach verworfen und nur der kleine Rest weiterverwendet.
Außerdem kommt es bei der Benutzung der Schwarzweißebene auch schnell zu Tonwertabrissen, da Regler, die 120° entfernt liegen, unabhängig voneinander benachbarte Werte beeinflussen können.

— Wer keinen Spaß an Mathe hat, kann hier wieder einsteigen —

Das ist allerdings nicht der Grund, warum ich diesen Artikel schreibe.
Ich persönlich bearbeite Schwarweißbilder grundsätzlich nie nur mit einem einzigen Werkzeug, von daher habe ich das Problem mit den Artefakten auch eher selten.
Der Grund, warum ich diesen Artikel hier wirklich schreibe ist der, dass ich letztens gesehen habe, dass manche Leute die Schwarzweißebene als Hilfsebene beim dodge & burn verwenden, indem sie die Rottöne absenken. Das ist natürlich keine neue Technik, ich hatte allerdings vorher nie darüber nachgedacht, was genau da passiert, weswegen ich erst jetzt etwas dazu schreibe.

Was mich an dieser Methode stört ist nämlich die anschließende Aufhellung bzw. Abdunklung im Bild anhand des Farbtons. Hierdurch kann es schnell zu falschen Ergebnissen kommen, wenn man die Schwarweißebene als Hilfsebene benutzt.
Schauen wir uns zur Verdeutlichung der Problematik erst einmal dieses Ausgangsbild von GDS Photos an:
Original
Stellen wir eine Schwarweißebene mit den üblichen Werten zur Hautretusche ein und ändern den Rest so ab, dass wir die Luminanz des Bildes erhalten (-200, 89, 59, 70, 11, 41), erhalten wir dieses Bild hier:
Schwarweiß
Schrecklich oder?
Aber wenn wir genauer hinsehen, wird uns auffallen, dass im Originalbild die Hautfarbe nicht komplett einheitlich ist.
Legen wir einfach eine Volltonfarbebene im Modus „Farbton“ mit einem passenden Hautton über das Bild, bevor wir die Schwarzweißebene anlegen, sieht das Ergebnis bereits ganz anders aus:
Schwarzweiß Farbton
Hätten wir entsprechend dem Ergebnis ohne diese Farbebene gearbeitet, wäre unser Bild stellenweise viel zu hell/zu dunkel geworden und hätte fleckig ausgesehen.
Vergleichen wir nun allerdings auch noch einmal dieses Ergebnis mit einer „normalen“ Schwarzweißumwandlung im Modus „Luminanz“ und einer entsprechenden abdunkelnden Kurve, sehen wir, dass es weiterhin immense Unterschiede zwischen den Methoden gibt:
Luminanz
Das liegt wiederum an der oben erwähnten nachträglichen Abdunklung, die die Rottöne abdunkelt. Hierdurch gerät die Helligkeit durcheinander und wir erhalten diese fleckige Haut.

Mein Tipp daher an euch für die Retusche: Vermeidet es, die Schwarzweißebene als Hilfsebene einzusetzen. Für andere Zwecke ist die Technik teilweise gut bis sehr gut zu benutzen, aber gerade im Retuschebereich, wo es auf Genauigkeit ankommt und man auch gerne zu derart extremen Hilfsansichten greift, kann diese Ebene ein riesiger Fehler sein!

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  1. alexklotz
    6. Januar 2012 um 13:52

    Hallo, interessant, nun stelle ich fest , ich komme doch nicht mit. An einem meiner eignenen Bilder klappt es nicht. Ab dem Satz : Volltonebene mit passenden Hautton anlegen..“ . Könnte Sie es als eine step by step Legende etwas anders ( für mich besse verständlich) beschreiben, z.B. wie bei PC Schriten üblich ist: Start> Programme > etc.

    Danke, alexklotz

    • 6. Januar 2012 um 14:03

      Hallo Alex,

      natürlich 🙂 .
      Als erstes muss ein üblicher Hautton über das Pipetten-Werkzeug ([I]) aufgenommen werden.
      Anschließend wird mit diesem Hautton eine „Ebene“-“Neue Füllebene“-“Farbfläche“ angelegt. Diese sollte im Modus „Farbton“ erstellt werden und im Normalfall bereits die passende Farbe enthalten.

      LG,
      Jonas

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