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Anti-Auto-Tonwertkorrektur

Die automatische Tonwertkorrektur gehört zu den Dingen in Photoshop, die man meistens recht am Anfang kennenlernt und bald darauf wieder vergisst.
Dabei können automatische Befehle wie dieser teilweise recht hilfreich sein, wenn man sie in Aktionen einbindet und leicht modifiziert.
Der heutige Artikel zeigt eine derartige Modifikation und dient vor allem als Vorbereitung auf einen kommenden Artikel, in dem die hier gezeigten Eigenschaften ausgenutzt werden.

Dan Margulis ist der Meinung, dass jedes Bild davon profitiert, einen vernünftigen (d.h. nicht auf einer Automatik, sondern auf einer nach menschlichem Ermessen relevanten Bildstelle basierenden) Weiß- und Schwarzpunkt zu haben.
Diese Ansicht unterschreibe ich gerne, allerdings nehme ich artistische Effekte davon heraus, denn teilweise kann es durchaus gewollt sein, auch einmal nicht den vollen Tonwertumfang zu nutzen (z.B. High/Low Key, Cross Processing etc.).
Diese Aussage bezieht sich allerdings nur auf den globalen Kontrast, nicht auf den einzelner Elemente im Bild.

Z.B. kann es sehr wohl legitim sein, in einem Mantel zwar einen Schwarzpunkt bei 0/0/0, aber den hellsten Ton bei 181/181/181 zu haben.
Wollen wir nun auf diesem Mantel mit einer Gradationskurve arbeiten, haben wir ebenfalls logischerweise nur den Bereich von 0 bis 181 zur Verfügung, denn mehr Tonwerte sind einfach nicht vorhanden.
Was wir allerdings glücklicherweise machen können ist, den Tonwertbereich kurzzeitig zu spreizen und anschließend wieder zu reduzieren, um mit dem vollen Tonwertumfang arbeiten zu können und dadurch mehr Präzision in den Kurven zu erreichen.

Dazu müssen wir lediglich den Mantel auswählen, eine Einstellungsebene vom Typ „Tonwertkorrektur“ anlegen, hier in den automatischen Optionen einstellen, dass der Schwarzweiß-Kontrast verbessert werden soll, die Tiefen Schwarz, die Lichter Weiß sein sollen und der Beschnitt 0.00% beträgt. Mitteltöne dürfen nicht ausgerichtet werden!
Nachdem wir das angewandt haben, hängen wir eine weitere Tonwertkorrektur mittels Schnittmaske an die erste und setzen dort den Tonwertumfang auf die Werte, die wir soeben für den Schwarz- und Weißpunkt erhalten haben.
Nun sollten wir wieder das Originalbild sehen :-).

Da es selbstverständlich keinen Spaß macht, immer den Tonwertumfang manuell einzutragen, habe ich mir einige Methoden überlegt, um die Arbeit für mich zu automatisieren.

Eine meiner Ideen war es, einfach das Histogramm am Anfang der Bearbeitung (vor der Auto-Tonwertkorrektur) auszulesen, den hellsten und dunkelsten Punkt zu speichern und diese anschließend in die zweite Tonwertkorrektur einzufügen.
Leider erlaubt Photoshops Skripting-Funktionalität es (bisher) noch nicht, das Histogramm auszulesen, so dass jedes einzelne Pixel analysiert werden muss.
Den Code dafür könnt ihr euch bei Interesse hier anschauen: http://pastebin.com/Wt1W298c (ich habe eine Menge mit dem ScriptListener gearbeitet, daher kommen die vielen großen Codeblöcke – es gibt beim Skripten leider keine andere Möglichkeit, mit Einstellungsebenen zu arbeiten).
Der Code selbst funktioniert problemlos, leider wird allerdings wie gesagt jedes einzelne Pixel durchgegangen, was einen schlicht inakzeptablen Zeitaufwand darstellt.

Daher habe ich eine Alternative gesucht und auch gefunden, mit der ich einigermaßen glücklich bin 🙂 (einziges Manko: Wenn man mit Auswahlen arbeiten möchte, dürfen diese keine Übergangspixel enthalten, die Maske muss also eine Bitmap sein).
Die Methode ist eigentlich denkbar einfach: Wir finden die Differenz zur korrigierten Ebene und addieren/subtrahieren sie, um wieder zum Original zu kommen.
Dazu werden wir einfach eine invertierte Kopie des Originals über die Tonwertkorrektur legen und in den Modus „Linear nachbelichten“ stellen. Das invertierte Ergebnis werden wir wiederum im Modus „Linear nachbelichten“ anwenden.
Anschließend stellen wir den Modus der invertierten Originalebene auf „Linear abwedeln“ und fassen das invertierte Ergebnis in einer Ebene mit dem Modus „Linear abwedeln“ zusammen. Nun müssen wir nur noch die invertierte Originalebene löschen und haben so unsere Anti-Auto-Tonwertkorrektur erhalten.
Ihr könnt hier natürlich keine Schwarz- und Weißpunkte setzen, dafür habt ihr aber deutlich mehr Spielraum in den Mitteltönen (in diesem Fall 74 Tonwerte mehr oder 34%).

Wenn wir uns nun das Histogramm in den Kurven ansehen, erkennen wir deutlich die Unterschiede:
Kurven normal (ohne die Anti-Auto-Tonwertkorrektur)
Anti-Auto-Tonwertkorrektur (mit Anti-Auto-Tonwertkorrektur).

Eine Aktion, die das ganze für euch aufbaut, könnt ihr euch hier herunterladen: Anti-Auto-Tonwertkorrektur.atn (bei Problemen: Rechtsklick, „Speichern unter“).

Wie gesagt, dieser Artikel dient eher als „Vorbereitung“ auf einen noch kommenden Artikel, in dem ich diese Technik ein wenig wirkungsvoller einsetzen werde, um leichtere Korrekturen vornehmen zu können :-).

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  1. hugopics
    12. Juni 2015 um 15:14

    Thanks for this interesting technique Jonas.
    I studied it in detail this afternoon. I noticed that the ADD and SUBTRACT layers could also be obtained by using blend modes :

    BOTTOM ‚Image 01‘ is the original.
    TOP ‚Image 02‘ is a merged layer of original + AUTOLEVELS.

    ADD is a merged layer of ( image 02 (substract blend mode) and image 01), in Linear burn mode.

    SUBSTRACT is an inverted merged layer of (:
    a- difference between image 02 and image 01.
    b – difference between a- and ADD.)
    in Linear dodge mode.

    • 12. Juni 2015 um 15:37

      Hi hugopics,

      exactly right :)! Linear Burn is just C = A + B – 1, so inverting layers A (foreground), B (background) and then the result C, results in C = 1 – (1 – A + 1 – B – 1) which is equal to C = A + B, so this is the exact result that “Add” produces. This works for every blend mode from the opposite group btw., so you can just as easily create a “Screen” from “Multiply”, “Color Burn” from “Color Dodge” and so on.
      “Linear Dodge” is C = A + B already though, so we don’t need to recreate it using “Linear Burn” 🙂
      A great source for this kind of information is Ralph Altmann’s website SimpelFilter: http://www.simpelfilter.de/en/basics/mixmods.html

      Kind regards
      Jonas

  2. hugopics
    15. Juni 2015 um 10:57

    Thanx a lot for your quick answer !!!
    regards,
    Hugo.

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