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Anwendungsbeispiele für Farbteilung

Manche Techniken lassen sich auf ein Bild anwenden, um einen bestimmten Zweck zu erfüllen. Manche Techniken lassen sich auf ein Bild anwenden, um eine Vielzahl an Zwecken zu erfüllen.
Die Farbteilung gehört definitiv zur letzteren Kategorie.
Heute möchte ich euch daher mal einige kleine Beispiele für die Anwendung der Farbteilung in RGB zeigen (abseits der bereits im Video vorgestellten).

Die Farbteilung erlaubt uns in RGB ähnliche Arbeiten durchzuführen, wie in LAB. Für Fans dieses Farbmodus öffnet diese Aussage alleine bereits eine ganze Menge Türen, Leute die nicht so sehr mit LAB vertraut sind, werden vmtl. noch keine konkreten Vorstellungen von den Anwendungsmöglichkeiten haben.
Ich werde hier versuchen, beiden Gruppen noch ein paar zusätzliche Tipps zu vermitteln :-).

Fangen wir mit dem leichtesten an und arbeiten uns dann immer weiter vor :-).
Als erstes einmal können wir natürlich extrem leicht Farben in unserem Bild verändern, ohne damit die Helligkeit zu beeinflussen.
Wollen wir z.B. den Himmel dieses Bildes gelb färben, können wir einfach in der Gradationskurve der Farbebene den Rotkanal in der dunklen Hälfte aufhellen und den Blaukanal in der hellen Hälfte abdunkeln.
Um das ganze auf die blauen Bereiche zu beschränken, fixieren wir zusätzlich die Mitteltöne, sowie den weiteren Kurvenverlauf.
Himmel umfärben

Nun da wir gesehen haben, wie einfach es ist, Dinge umzufärben, sollten wir ggf. ein wenig interessantere Dinge machen, die so einfach in RGB nicht möglich sind.
In diesem Bild von Grant Thomas wollte ich den Hintergrund neutralisieren, ohne vorher eine Maske erstellen zu müssen.
Hierzu kann man einfach wieder die Gradationskurve der Farbebene benutzen, bei welcher man einfach mit der Graupipette auf einen Bereich klickt, der neutralisiert werden soll.
Wählt man anschließend in den Farbkanälen das Zielgerichtet-korrigieren-Werkzeug und klickt in die Hautbereiche, kann man diese wieder auf ihren ursprünglichen Stand zurück ziehen.
Die Farbaufnehmer-Punkte sind nur zum Messen der Neutralität im Hintergrund vorher und nachher gewesen.
Hintergrund neutralisieren

Natürlich können wir auch einfach sämtliche kalten/warmen Bereiche auf einmal neutralisieren, indem wir die entsprechenden Endpunkte der Farbkanäle in der Gradationskurve der Farbebene in die Mitte ziehen.
Hier an einem Beispiel von einem Bild von Jason Nelson.
Warme/kalte Farben neutralisieren

Eine weitere recht interessante Methode ist der Mann vom Mars, bei dem wir erst einmal einen typischen Bildbereich mittels [Shift]+[Strg]/[Cmd]-Klick in unserer Farbebenen Gradationskurve in jedem Kanal einen Punkt platzieren und anschließend den Weißpunkt jeweils so weit anheben, bis die Kurve auf der anderen Seite die x-Achse tangiert. Das Ganze wird in der Kurve der Luminanzebene mit dem Gesamtkanal wiederholt und die beiden Gradationskurven in der Deckkraft reduziert.
Da das Ergebnis jetzt noch ein wenig zu bunt ist (vor allem in den ehemals neutralen Bereichen), kann man einfach den Inhalt der Farbebene in eine Maske an der Gradationskurve der Farbebene einfügen und mittels „Bearbeiten“-„Fläche füllen“-„Grau (Differenz)“ die neutralen Bereiche ausmaskieren. Um mehr Bereiche einzuschließen, kann man jetzt noch den Kontrast der Maske erhöhen und diese ggf. ein wenig weichzeichnen.
MMM

Als letztes wollte ich dann noch eine andere Technik vorstellen, die ich recht gerne verwende und zwar Jacob’s Ladder. Über diese Technik wird es vmtl. auch bald noch einen ausführlicheren Artikel hier geben, bis dahin werde ich die Technik einfach nur vorstellen und nicht im Detail erklären.
Nehmen wir an, wir möchten z.B. das Grün nicht in den Bereichen erhöhen, in denen bereits viel/wenig Grün ist, sondern wir wollen in die Bereiche, die sehr gelblich sind, ein wenig Grün bringen.
Dazu können wir entweder eine Auswahl der gelblichsten Bereiche erstellen und auf diese anschließend eine Gradationskurve anwenden, die das Grün erhöht oder wir erstellen eine Kopie des Blaukanals der Farbebene auf einer neuen Ebene, setzen diese in den Modus „Lineares Licht“, hängen hieran eine Gradationskurve, in der wir in allen Farbkanälen den Weiß- und Schwarzpunkt auf 128 reduzieren, duplizieren diese Ebene im Modus „Luminanz“ und hängen ganz oben noch eine Gradationskurve dran, die den Kontrast halbiert.
Nun können wir in der untersten Gradationskurve ganz einfach gelbliche Bereiche isolieren und in einem beliebigen Farbkanal das Bild anhand des Blaukanals der Farbebene verändern.
Wollen wir das nur auf die Luminanz übertragen, lassen wir die „Luminanz“-Ebene aktiviert, ansonsten können wir sie auch deaktivieren (würde ich aber nicht empfehlen).
Für diesen Bereich kann man nun auch noch die Luminanz verändern, indem man in der „Luminanz“-Ebene im Grünkanal den Mittelpunkt fixiert und den entsprechenden neuen Tonwertbereich anhebt oder absenkt.
Jacob's Ladder

Ich hoffe mal, die heute gezeigten Techniken sind eine Anregung für euch und helfen euch, die Technik und ihre Macht in RGB ein wenig besser zu verstehen :-).
Es gibt natürlich noch unzählige weitere Anwendungsbeispiele, ich habe mich hier nur auf einige – in meinen Augen – besonders interessante beschränkt.

Bei Fragen zu den einzelnen Techniken könnt ihr natürlich gerne fragen, ich werde dann versuchen, euch so gut es geht zu antworten :-)!

Bonusfrage: Wie könnte man den Himmel in der als erstes gezeigten noch ohne weitere Auswahl mit einer Gradationskurve aufhellen?

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  1. Sebastian
    13. Januar 2013 um 12:30

    Hallo Jonas,
    irgendwie bin ich gerade etwas verwirrt oder finde nicht die richtige Lösung dafür, warum du im ersten Beispiel den Rotkanal im dunklen Bereich aufhellst und im Blaukanal die hellen Bereiche abdunkelst. In LAB, wenn ich das richtig sehe, wäre es ja einfach im b-Kanal die Kurve in Richtung „Gelb“ – wegen Komplementärfarbe zu Blau- zu ziehen. Aber warum du genau dies jetzt tust, wird mir grad aber nicht klar…vllt ist LAB grad leichter für mich zu verstehen 🙂 Danke! Sebastian

    • 13. Januar 2013 um 14:54

      Hallo Sebastian,

      ja, LAB kann manchmal leichter zu verstehen sein, weil es nur zwei, statt drei Farbkanälen gibt. Den Rotkanal habe ich in den Tiefen hochgezogen, weil er im Bereich von 0-127 die Cyantöne widerspiegelt. Der Blaukanal hat im Bereich von 128-255 die Blautöne, daher habe ich die umgekehrt, um in die Gelbtöne zu gelangen. Somit bin ich dann bei dem rot-gelben (orangen) Ergebnis von oben angelangt. Hätte ich nur den Blaukanal in den Lichtern abgesenkt, wäre der Himmel noch stark cyan-grünlich gewesen, daher musste ich auch noch den Rotkanal anfassen, um einen gelben Himmel zu erschaffen.
      Wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, kann man aber eigentlich mit der Farbteilung ähnlich gut arbeiten, wie mit LAB in meiner Erfahrung, das macht die Technik so mächtig :).

      LG,
      Jonas

      • Sebastian
        13. Januar 2013 um 23:43

        Gibt es dazu eine Seite, die man sich nochmal durchlesen kann? Mir war nämlich nicht bewusst, dass 0-127 im Rotkanal die Cyantöne widerspiegelt. Hätte jetzt gedacht, so wie man es z.B. hier liest (http://www.scandig.eu/Gradationskurven.html), dass es eher oberhalb und unterhalb der Kurve so ist, aber nicht, dass es sich sozusagen „mittig“ teilt…Aber vllt verdreh ich auch grad sämtliches…

      • 13. Januar 2013 um 23:49

        Huch, da scheine ich dich ja vollends verwirrt zu haben, tut mir Leid! *Normalerweise* gibt es bei Gradationskurven wirklich einen fließenden Übergang und keine harte Grenze, wie ich oben geschrieben habe. Allerdings wirken die Gradationskurven in meinem Artikel auf reine Farbkanäle, die wie ein Farbkanal in LAB aufgebaut sind, will sagen es gibt auf der negativen Seite (0-127) die eine Farbe (z.B. Cyan), in der Mitte (128) keine Farbe und auf der positiven Seite (129-255) dann die andere Farbe (z.B. Rot). Ich hoffe, das macht so wieder ein wenig mehr Sinn für dich? Ansonsten kann ich aber auch gerne versuchen, es noch einmal anders zu erklären :).

  2. Sebastian
    14. Januar 2013 um 04:03

    Ich glaube, woran ich mich gerade stoße, ist, dass ich vielleicht die falsche Vorstellung habe von der Gradationskurve. Mir schwebt vor, dass wenn ich bspw. den Blaukanal vor mir habe und eine Standarddiagonale diesen „zweiteilt“, der Bereich oberhalb der Diagonalen „mehr Blau“ bedeutet und der Bereich unterhalb „mehr gelb“. Klingt das logisch? So finde ich, wird es in Tutorials rübergebracht, zumindest m.M.n. in dem, welches ich oberhalb gepostet hatte.

    Sprich, wenn ich die Mitte (128) im Blaukanal nach oben verschiebe, dann erhalte ich einen Blaustich. Richtig?

    Um deinen Text jetzt zu verstehen mit den Bereichen, dass im Blaukanal der Bereich 0-127 die Gelbtöne (hab ich jetzt aus dem Rot-CyanBeispiel versucht zu entnehmen), keine Farbe am Punkt 128 und die Blautöne im Bereich 129-255, soweit richtig? Das Ganze habe ich mir aufgemalt und nun kommt, da weiss ich allerdings nicht, ob das alles so richtig ist:
    a) Der Himmel ist blau
    b) Das Blau des Himmels hat Tiefen und Lichter

    Im Blaukanal kann ich den Lichtern, also die „hellen Blautöne“ durch umkehren einen gelben Ton verpassen, allerdings kann ich die Tiefen nicht direkt im Blaukanal mit Gelb versehen, deswegen würde nach diesem ersten Schritt, das Bild cyan-grünlich aussehen. D.h. wenn das alles so richtig ist, dann verstehe ich jetzt warum du den Kanal ändern musst, um die „dunklen Blautöne“ noch mit Gelb zu versehen, allerdings versteh ich dann nicht, warum gerade den Rotkanal. Mathematisch is das wahrscheinlich auch nicht richtig, sich vorzustellen dass RGB = CMY (soll nur die Komplementäre zu einander darstellen)…also R+B = C+Y und deswegen durch eine Subtraktion von C, Y übrig bleibt. R+B-C = Y 🙂 Aber vllt gibt es ja auch ne einfache Erklärung für die Wahl des Rotkanals.
    Danke!

    • 14. Januar 2013 um 09:55

      Leider noch nicht ganz richtig. Du musst nur bedenken, dass in der Farbebene die Ebene wirklich nur die reinen Farbtöne und keine Luminanz enthält.
      Daher hast du dann bei einem sehr hohen Wert im Blaukanal ein sehr reines Blau, bei einem niedrigeren Wert ein schwächeres Blau und wenn du dann in den Bereich von 0-127 kommst, hast du bei 0 ein sehr reines Gelb, bei 127 ein sehr schwaches Gelb. Mit der Helligkeit hat das aber erst einmal wenig zu tun, sondern wirklich nur mit der *Intensität* der Farbe.
      Der Himmel in meinem Beispiel musste noch im Rotkanal angepasst werden, weil er nicht rein blau war, sondern eher einen Blau-Cyanton hatte. Cyan ist die Komplementärfarbe von rot, daher musste ich sowohl den Blauanteil im Blaukanal, als auch den Cyananteil im Rotkanal anpassen, um die Farbe entsprechend zu verändern.
      Was mir früher immer geholfen hat ist, die Kanäle einmal separat zu betrachten und dann wirklich nur darauf zu achten, welche Bereiche auf der hellen und welche auf der dunklen Seite liegen. Wenn du das siehst und weißt, welche Komplementärfarben es gibt, sollte dir die Anpassung per Gradationskurven denke/hoffe ich leichter fallen.

      PS: RGB = -(CMY), also R = – C, G = – M, B = -Y oder R = M + Y, G = C + Y und B = C + M.

      • Sebastian
        14. Januar 2013 um 11:17

        Danke! Verstanden habe ich das jetzt! Ich habe die ganze Zeit die Helligkeitsinformationen mitreingebracht.

        Farbebene: damit meinst du die aus der Farbteilungs-Aktion entstande Kurven-Ebene oder?
        D.h. im Grunde, wäre der Himmel „rein blau“, dann hätte nur der Rotkanal wahrscheinlich genügt.

        PS: Ja, die Gleichung hatte ich dann auch kurz danach.

      • 14. Januar 2013 um 12:50

        Super :)!
        Genau, ich meinte die durch die Farbteilung entstandene Ebene.
        Wäre der Himmel rein blau im Sinne von RGB-Blau, hätte der Blaukanal genügt ;). Der Rotkanal hätte genügt, wenn er rein RGB-Cyan gewesen wäre (ich benutze jetzt extra die Worte „RGB-Blau“ und „RGB-Cyan“, weil man im normalen Sprachgebrauch teilweise auch ein Cyan als Blau bezeichnet, was aber hier zu Problemen führen kann).

  3. Sebastian
    14. Januar 2013 um 06:23

    Diese Gleichung ist Schwachsinn…!

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