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Weichzeichnung = Scharfzeichnung

In dem heutigen Artikel möchte ich zweierlei: Zuerst einmal möchte ich euch eine Technik zeigen, wie man einen beliebigen Weichzeichnungsfilter in einen beliebigen Scharfzeichnungsfilter umwandeln kann und umgekehrt.
Außerdem möchte ich aufzeigen, dass die häufig hierfür angewandte Erklärung purer Nonsens ist.

Zuerst einmal, wie können wir einen beliebigen Filter in sein Gegenteil umkehren?
Ganz einfach, wir finden die Differenz des Filters zum Originalbild und addieren diese zurück aufs Original.
Klingt trivial, ist es eigentlich auch :-).

Als Anwendungsbeispiel möchte ich mal einige Bilder zeigen:
Beispielbilder
Oben links seht ihr das Originalbild.
Darunter ist eine Reihe mit Scharfzeichnungen, v.l.n.r.: eine normale Unscharfmaskierung mit den Werten 100% und 5Px, der Filter „Helligkeit interpolieren“ mittels der hier gezeigten Methode (man beachte: sehr viel weniger Säume bsds. in Kontrastbereichen), der Filter „Matter machen“ mit den Werten 5Px und 10 Stufen.
Darunter eine Reihe mit Weichzeichnungen, v.l.n.r.: ein Gaußscher Weichzeichner mit einem Radius von 5Px, eine Unscharfmaskierung mit den Werten 60%, 5Px und 5 Stufen.
Darunter noch ein wenig experimenteller ein Hochpass mit einem Radius von 50Px bei 35% Flächendeckkraft. Dieser dunkelt alle Bereiche unter einer gewissen Grenze ab.

Uns sollte hierbei nur klar sein, dass die Differenz eines Filters vom Originalbild in die positive und auch in die negative Richtung gehen kann, wir benötigen also eine Methode, möglichst beides gleichzeitig zu berücksichtigen.
Die haben wir auch (Kenner der Frequenztrennung werden jetzt aufmerken!): den Ebenenmodus „Lineares Licht“.

„Lineares Licht“ arbeitet nach dem Prinzip C = B+2*A-1 (C ist das Ergebnis, B die Hintergrundebene, A die Vordergrundebene). Hieran sieht man eigentlich recht schnell, dass die Tonwerte der Vordergrundebene verdoppelt werden, weshalb der Effekt nur mit halber Stärke ausgeführt werden darf.
Um das zu tun, können wir die Flächendeckkraft auf 50% reduzieren (wenn wir die Deckkraft reduzieren, wird der Effekt des Gesamtbildes reduziert, nicht der Effekt der einzelnen Ebene).
Ich gehe durch diese Erklärungen relativ schnell durch, da sie nicht Hauptbestandteil des Artikels sein sollen und ich sie auch in aller Ausführlichkeit bereits in meinem Video zur Technik der Frequenztrennung (https://www.youtube.com/watch?v=Uzd2SfafNvc) erklärt habe.

Jetzt wissen wir also, wie wir die Differenz anschließend wieder aufs Original addieren, aber wie erhalten wir überhaupt die Differenz?
Ganz einfach: genauso.

Wir duplizieren erst einmal unsere Ebene, invertieren sie (wir wollten ja die Differenz finden) stellen den Modus auf „Lineares Licht“ und die Flächendeckkraft auf 50%.
Alternativ dazu können wir auch einen Identitätsfilter benutzen, der den Kontrast des Ursprungsbildes halbiert, um zu verhindern, das aus Versehen die Flächendeckkraft der Ebene erhöht und damit die Differenz wieder angezeigt wird (diese Methode benutze ich auch in meiner Aktion am Ende in 8bpc. Bei 16bpc ist die Methode mit der Flächendeckkraft ein wenig akkurater).
Jetzt sollten wir mit einem annähernd durchgängig 50% grauen (128/128/128) Bild dastehen.
Wenden wir nun einen beliebigen Filter auf diese Ebene an, erhalten wir bei Bereichen, welche dunkler werden ein Grau > 50%, bei Bereichen, die heller werden ein Grau < 50% und bei unveränderten Bereichen ein Grau = 50% (wir erinnern uns, das wir das Bild invertiert haben).

Das wollen wir jetzt wiederum mit unserem Ursprungsbild zusammenrechnen, ebenfalls über den Modus "Lineares Licht".
Am leichtesten geht das, indem wir eine beliebige Einstellungsebene unter der aktuellen Ebene erstellen, welche wir ebenfalls in den Modus "Lineares Licht" bei 50% Flächendeckkraft versetzen. Nun erstellen wir zwischen den beiden Ebenen eine Schnittmaske, um sie miteinander zu verbinden.

Bei Bedarf können wir natürlich auch noch ganz oben eine Einstellungsebene anlegen, mit welcher wir die Farben, Kontraste usw. verändern, welche wir ebenfalls mittels Schnittmaske an die beiden anderen Ebenen hängen.

Da wir in 8bpc leider keinen wirklichen Mittelpunkt haben (der wäre bei 127.5), müssten wir außerdem eine Gradationskurveneinstellungsebene ganz oben anhängen, welche den Punkt 127 auf 128 erhöht und bei 50% Deckkraft ins Bild geblendet wird, wenn wir die Flächendeckkraft benutzen würden (der eigene Filter ist allerdings ein wenig akkurater in 8bpc, daher benutzen wir ihn und ersparen uns die Kurve). In 16bpc dagegen wäre das kontraproduktiv, da wir effektiv nur mit 15bpc arbeiten und somit einen Mittelpunkt bei 2^15/2 = 16384 haben (die Reduktion der Flächendeckkraft ist allerdings bei extremer Kontrastverstärkung in der Differenz scheinbar auch nicht effizient genug, weshalb hier wieder der Filter eingesetzt wird in Kombination mit einer Kurve, die den Schwarzpunkt um 2 Punkte anhebt bei 50% Deckkraft).

So viel also zur Theorie der Anwendung :-).
Eine Aktion zum Aufsetzen der Ebenen gibt es wie immer ganz am Ende des Artikels.

Und warum erklären viele Leute diese Theorie komplett falsch?
Oft wird die Technik so dargestellt, das auf Grund der Invertierung der Ebene jegliche Filter direkt in ihrer Wirkung umgekehrt werden würden, also Weichzeichnungsfilter zu Scharfzeichnungsfiltern werden würden.
Das ist selbstverständlich Unsinn.
Die Umkehrung der Wirkung kommt erst dadurch zustande, dass die Differenz zum Original gefunden und anschließend wieder mit eben diesem verrechnet wird.
Ein beliebiger Filter auf einem Negativ ist weiterhin nur ein Filter auf einem Negativ, kein Negativfilter auf einem Positiv!

Hier also jetzt die angesprochene Aktion: http://dl.dropbox.com/u/7124285/JW-PiXx/WZ%20%3D%20SZ/Weichzeichnung%20%3D%20Scharfzeichnung.atn (bei Problemen: Rechtsklick, „Speichern unter“)
Die zweite Aktion ist für 16bpc Bilder geeignet, es wurde lediglich die Gradationskurve fürs Feintuning ein wenig angepasst.
Wenn die Aktion durchgelaufen ist, kann man einen beliebigen Filter auf die Ebene „Filter“ anwenden, welcher dann in sein Negativ verkehrt wird.

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  1. 15. März 2013 um 22:53

    Klasse. Ich liebe deinen Blog. Solch eine Fülle an Informationen zu dem was hinter den Kulissen passiert. Weiter so, ich werde hier noch oft herumstöbern.

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