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OT: Nihilismus

Heute mal ein Beitrag zu einem Thema, welches rein gar nichts mit Bildbearbeitung zu tun hat (deshalb auch das OT für Off Topic, nicht dem Thema zugehörig, im Titel).
Ich wollte nämlich mal einige Worte zum Thema Nihilismus verlieren.

Zuerst einmal, was ist Nihilismus überhaupt? Der Nihilismus ist eine philosophische Richtung, welche sämtliche Werte und Bedeutungen rigoros als belanglos darstellt.

Auf das Thema gekommen bin ich durch die Lektüre des umstrittenen Romans „Nichts was im Leben wichtig ist“ von Janne Teller.
In diesem bemerkt ein Siebtklässler eines Tages, dass nichts im Leben eine dauerhafte Bedeutung macht. Um ihn vom Gegenteil zu überzeugen, sammeln die anderen Kinder immer brutalere „Beweise“ für Bedeutung, etwa die grünen neuen Sandalen und zum Ende sogar den Zeigefinger eines Jungen.

Zum Buch selbst möchte ich mich nicht allzu ausführlich äußern, das haben andere bereits viel besser gemacht, als ich es jemals könnte (dieser Bericht hier trifft bspw. ziemlich genau meine Meinung: http://www.buecher-wiki.de/index.php/BuecherWiki/NichtsWasImLebenWichtigIst).

Nun allerdings stellt sich mir persönlich die Frage, hat der Junge in dem Buch recht und es gibt keine Bedeutung im Leben, da alles irgendwann einmal zerfällt?
Auch wenn man für die Nachwelt etwas schaffe, könnte der Nihilist noch immer sagen, dass auch die Nachwelt irgendwann nicht mehr sein wird, ist daher alles Sein sinnlos?
Schwachsinn!
Entschuldigt meine harten Worte, aber Nihilismus in dieser hier aufgezeigten Form ist in meinen Augen eine der größten Unsinnigkeiten, die es in der gesamten Philosophie nur gibt.
Nicht nur, dass die Bedeutung von etwas an der ewigen Dauerhaftigkeit gemessen wird, was ein vollkommen unerreichbarer Anspruch ist, da selbst die Dauerhaftigkeit der Zeit selbst wissenschaftlich fragwürdig ist, wodurch der Begriff der Dauerhaftigkeit jeglichen Sinn verlieren würde, auch werden sämtliche Vergnügen nur in Relation zu noch kommendem Leid und Vergänglichkeit gesehen und hierdurch revidiert.
Nihilismus in dieser Form ist daher zwar eine geschickte Rechtfertigung und Grund für Depressionen, kann aber im Endeffekt keinen weiteren Sinn erfüllen und wird somit bedeutungslos (ich bin der recht pragmatischen Ansicht, dass Dinge, die keinen Zweck erfüllen, unnötig sind – einer dieser Zwecke wäre z.B. Ästhetik, Komfort, Sicherheit, Flexibilität usw.).

Bedeutungslosigkeit ist übrigens ein schönes Stichwort, denn da laut Nihilismus nichts eine Bedeutung hat, ist auch der Nihilismus selbst folglich bedeutungslos, ergo gibt es auch keinen Grund, diesem auch nur die geringste Beachtung zu schenken.
Davon aber nicht genug, auch ist die alleinige Betrachtung der gesamten Zeit vollkommen unsinnig. Gehen wir davon aus, dass alles irgendwann einmal verfallen wird, das Leben sinnlos und daher frei von Freude ist, so wäre der fundamentale Nihilist in letzter Konsequenz praktisch zum Suizid gezwungen, da es keinen Sinn für ihn gibt weiter zu leben und er somit nur das unvermeidbare beschleunigt (hier orientiere ich mich wieder an einer Stelle im Buch, an der o.g. Junge anführt, dass die Bevölkerungszahlen beständig steigen würden, daher Selbstmord das einzig vernünftige wäre). Was dies nun natürlich in letzter Konsequenz heißt, sollte logisch sein: Es gibt keinen Nihilismus mehr, da sich sämtliche Anhänger selbst das Leben nehmen. Der Buddhismus hat da wenigstens noch das Karma eingeführt, um dies zu vermeiden (im Buddhismus sammelt man zeitlebens – ausschließlich – negatives Karma, welches dafür sorgt, dass wir wieder geboren werden und den Kreislauf des Lebens und Leidens wiederholen müssen. Da Selbstmord das negative Karma erhöht, kann dieser von Buddhisten nicht begangen werden, da sie sich sonst in einem Teufelskreis befänden).
Zudem sehe ich persönlich es als ein wenig seltsam an, immer nur die Zukunft und das Ende zu sehen. Auch ich bin der Meinung, man sollte mit Bedacht auf die Zukunft handeln, aber wenn man eine Entscheidung getroffen hat, sollte man auch zu dieser stehen und nicht weiter über Konsequenzen nachdenken (sofern sich keine Änderungen in der Situation ergeben). Anders gesagt: Man sollte auch den Augenblick genießen dürfen, ohne direkt an das Ende zu denken (in dieser Hinsicht bin ich, wie so oft, einer Meinung mit dem österreichisch-britischen Philosophen Sir Karl Raimund Popper).

Die Frage nach dem Sinn eines Sinnes oder auch nur dem Sinn nach der Suche eines Sinnes erspare ich mir jetzt mal, da ich wenig von Fragen halten, die ihre eigene Prämisse voraussetzen, um sie untersuchen zu können ;-).

Ich bedanke mich vielmals für eure Aufmerksamkeit, ich weiß, dieser Blog sollte eigentlich für andere Artikel dienen (und keine Sorge, bald gibt es auch wieder die eine oder andere Photoshop-Technik von mir zu sehen, ggf. auch endlich mal wieder als Video-Tutorial), aber nach der Lektüre dieses Buches war es mir ein Bedürfnis, meine Gedanken zu diesem Thema nieder zu schreiben.

Wenn ihr selbst auch gerne etwas zu dem Thema beitragen möchtet, eine andere Ansicht habt oder einfach nur einen Kommentar zu dem Artikel abgeben möchtet, würde ich mich sehr freuen :-)!

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Kategorien:Off Topic
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